AUTOBIOGRAPHIE

Wesley Plass

Gitarrist, Komponist, Arrangeur, Produzent

Goldverleihung Pe Werner, Mai 1993

1993 fand ein SDR 3-Mitarbeiter heraus, dass sich die Gesamtverkaufszahl der Produktionen, bei denen ich als Gitarrist, Produzent oder Arrangeur mitgewirkt habe, auf 166 Mio.* Tonträger beläuft. 2014 sind’s vielleicht schon ein paar mehr geworden?!

Allein die Pur- und Lindenberg- sowie Howard Carpendale-, Donna Summer-, Jennifer Rush-, Pupo-, Umberto Tozzi- und natürlich alle Harold Faltermeyer Songs und Soundtracks sind mit allen Hits und Compilations einzelner Titel auf Zweitverwertungen à la K-tel schon weit über 100 Mio.

Wes im Tabarin

Live-Gigs hatte ich inclusive der Münchner Clubgigs in den 1970ern im Tabarin und Cadillac etwa 3.800. Nach der Tour mit Frumpy  im November 1991 kam nur noch ein unbezahlter Gig mit meiner alten Band Tax am 14.8.2006 dazu.
Es gibt etwa 15.000* veröffentlichte Titel, bei denen ich als Gitarrist, Arrangeur, Komponist, Bearbeiter, Produzent, Chorsänger oder sonstwie beteiligt war.

Knapp 1.300 Eigenkompositionen und auch Erstbearbeitungen von klassischen Titeln, die bis 2005 veröffentlicht wurden (Ende 2008 sind es dann genau 1.587, 2014 sind es etwa 2200. Ab 2014 wird nicht mehr weitergezählt – there is still more to come, but more for fun …

*Erhebung eines Mitarbeiters vom SDR 3 im Jahre 1991.

Uroma mit Wes, 1957


Wes mit Tante Carin und Onkel Gerhard, 1962

Geboren in Herrsching am Ammersee in Deutschland (bei Bayern) am 14. August 1956, lebte ich von 1956 bis 1962 in Weilheim/Oberbayern, ab 1962 in München-Ramersdorf.

Von meiner Oma bekam ich Weihnachten 1962 eine Gitarre geschenkt, auf der ich im zarten Alter von 6 Jahren unverzüglich zu spielen begann. Wiederum der Oma zuliebe absolvierte ich von 1971 bis 1973 eine ordentliche Berufsausbildung als Musikalienhändler im Musik-Markt in München. Seither bin ich dem unsoliden Künstlerleben ausgesetzt.

Mehr Positives ist meiner Kindheit nicht hinzuzufügen, deshalb werden die Stadtteile hinzugefügt. Man nannte sie früher Glasscherbenviertel. Giesing und Ramersdorf unterscheiden sich etwas von Grünwald oder Solln, den Nobelvierteln.

 

1960er

 

Wes mit Groupies


2. Klasse Führichschule München Ramersdorf, 1963


Selbstbewusstsein vortäuschen

Stationen

1963 bis 1965 hatte ich Gitarrenunterricht bei Herrn Schweighofer im Münchner Stadtteil Giesing. Herr Schweighofer nahm mich gleich nach der fünften Unterrichtsstunde zur sechsten – heute sagt man Live-Auftritt – in das legendäre Volksmusikwirtshaus Zum Grünen Eck mit, (später war das eine Blueskneipe – welch ein Wandel …!)

Dort durfte ich, damals noch etwas schüchtern, ihn zur Zither begleiten. Bei der Zugabe „Harry Lime Theme“ von Anton Karas aus dem Film „Der Dritte Mann“ ernteten wir erste Beifallstürme, und als mein Gitarrenlehrer, Mentor und Firmpate Schweighofer von gleichaltrigen Damen so um die 65 abgeknutscht wurde, hatte ich praktisch als Dreingabe gleich die ersten Groupie-Erfahrungen im harten Volksmusik-Business.

Ab 1969 intensive Konzertbesuche: Jimi Hendrix, John Mayall, Cream, Janis Joplin, Deep Purple, Black Sabbath, Jeff Beck, Led Zeppelin usw.

Danach natürlich musikalische Umorientierung und gleichzeitig erste Erfahrungen mit verschiedenen lustigen Zigaretten und Löschblättern – dass bald darauf meine Heroes Morrison, Joplin und Hendrix starben und meine besten Freunde und Schülerbandkollegen immer wieder komplett versackten und dadurch nicht mehr musizieren konnten, wirkte jedoch irgendwie abschreckend auf mich.

1970er

Erste Glatze


Im Schwabinger Appartement


Wally Warning, Charly Boskic, Alphonso "Jerry" Gumbs Rudi Mille und Wes, Pazific Coast 1976


Bern 1976 mit Pazific Coast


Stuttgart 1976 mit Pazific Coast


Wes bei Oktagon


Wes bei Oktagon, 1978


Mel Canedy, Rock Candy 1979


Wes bei TAX, 1980


Eberhard Wilhelm, TAX


1971 bis 1973 Berufsausbildung als Musikalienhändler im Musik-Markt in München, erste „richtige“ Band Zeus, zweite Band mit Ali Halmatoglu, dem perversen Perser, und Franz Dannerbauer. Wir waren das Trio Infernal

Nach meiner Lehrzeit war ich einige Monate in den USA und konnte dort verschiedenste Musikrichtungen kennen lernen, vom traditionellen Bluegrass bis zum elektrischen Jazzrock des Mahavishnu Orchestra, von Dixieland bis Salsa – und natürlich den richtigen schwarzen Chicago Blues.

Ansonsten hatten wir deutschen Nachwuchsmusiker in dieser Dekade nur die amerikanische Radiostation AFN und täglich eine Stunde am Nachmittag im BR die Sendung Club 16, um uns im Rock ’n’ Roll-Business weiterzubilden.

Onkel Loran, Wes, Stiefvater Mike Washington 1973

1974 bis 1975, zurück in München, bekam ich endlich einen fast täglichen Job als Gitarrist im legendären Tabarin Club, einem Laden für schwarze GIs und einige abgetakelte Nutten. Dazu noch fünf Musiker: u.a. Bob Seaberry (voc), Winston am Bass und ein unsäglicher Drummer aus Afrika, der nicht mal einen 6/8 spielen konnte. Alles war im 4/4 Takt und so trafen wir uns alle drei Takte auf der Eins wieder.

Man glaubt es kaum, aber dieser schwarze Mann hatte ein Rhythmusgefühl wie eine kranke Kuh. In der Umkleidekabine wurde mir allerdings klar, warum dieser Typ, der übrigens ein Verhältnis mit der Besitzerin des Clubs hatte, nicht ausgetauscht wurde. Er spielte meist nur mit einem, aber dafür 12 Zoll langen Stick …

Zu den öfter wechselnden Organisten und Wurlitzer-Männern gehörte damals übrigens auch Harold Faltermeyer.

Mit den auch immer wieder wechselnden Sängern hatten wir ein Programm aller 60er und 70er Soulnummern und konnten uns mit wirklich toller Musik eine amtliche Live-Routine erarbeiten.

Im Jahr 1975 hatte ich fünf Mal in der Woche den Job im Tabarin von 19 bis 1 Uhr, danach ging’s von 1 bis 4 Uhr ins Cadillac – ungefähr die gleiche Baustelle wie im Tabarin, aber dort spielten ein paar andere Musiker mit, darunter meine spätereren langjährigen Bandkollegen Eberhard „Ede“ Wilhelm, Mel Canedy und Wally Warning

Zwischendrin lernte ich noch Günther Gebauer und Franz Schmucker kennen, wir gründeten eine kleine Band namens High Temper und nahmen im Münchner Musicland-Studio bei Giorgio Moroder im Sommer 1975 (übrigens, während die Rolling Stones gerade Pause machten) eine Single auf, die wir dann als Frisbeescheiben verwendeten … Unser Toningenieur war damals Mack, der spätere Producer von Queen, Electric Light Orchestra und vielen mehr.

1976 entschloss sich Wally Warning, zusammen mit Charly Boskic, mich aus dem Tabarin zu erlösen: Wir gründeten mit dem österreichischen Pianisten Rudi Mille und Alphonso „Jerry“ Gumbs die Band Pazific Coast. Darauf folgten drei Jahre Jobs, hauptsächlich live, ab und zu im Studio. Ich erinnere mich noch an den afrikanischen Sänger Kelly Brown, mit dem wir in dieser Formation unzählige Titel in der Zuckerfabrik in Stuttgart aufnahmen.

1977 Viele Proberaum-Bands folgten, mit Ali Halmatoglu, Sabine und Sigi Rössert. Wir probten 30 Tage und spielten einen Gig, danach wieder zwei Wochen proben und drei Gigs spielen … Aber die Routine am Instrument wurde durch all die Experimente immer größer – und natürlicherweise dadurch, dass wir in diesen experimentellen Bands niemals Songs nachspielten sondern selbst komponierten.

1978 kam ich über Nacht in die Band Oktagon mit Hermann Weindorf, Berthold Weindorf, Litschie Herdlicka und Harry Buckl, später kam auch Curt Cress dazu Ein Album folgte, aufgenommen im Country-Lane-Studios. Das Engineering machte Pit Floss, durch den ich viele meiner späteren Freunde und musikalischen Partner kennen lernte, darunter auch Hannes Treiber, mit dem ich 1991 das NOASTUDIO (noch a Studio) gründete und bis 2013 in einer Symbiose aus Freundschaft und musikalischer Partnerschaft zusammenarbeitete.

Im Rückblick auf Oktagon denke ich heute, das war künstlerisch eine sehr kreative Phase, ein Hauch von Weather Report … Viel gelernt! Viel Kunst, wenig Brot …

Außerdem gab es noch meinen ersten amtlichen Auslandsstudiojob in den Wisseloord Studios in Hilversum, NL, mit einer super Soulband namens The Cheaters, der Sänger war Omar Dupree.

1979 Kurz nach meiner ersten Hochzeit gründeten Wally Warning, Eberhard Wilhelm, Mel Canedy, Matthias Preisinger und ich die Band Rock Candy. Wir spielten den ganzen August im Marienkäfer, waren lokal sehr erfolgreich und gewannen auch irgend einen schwachsinnigen, von Thomas Gottschalk moderierten Bandwettbewerb. Jedoch waren wir musikalisch in zwei verschiedene Fraktionen aufgeteilt.

1980er

Wes mit TAX, Theatron 1981




Eberhard Wilhelm und Wally Warning, TAX




TAX im Theatron, 1982




GMBH Cover




Tom Krüger, Wes, Christian Schneiderbauer und Jan Zelinka, GMBH




Wes, Hannes Weigend, Gerti Beracz und Sigi Rösser, Strinx Live




Strinx 1. Besetzung mit Thomas Simmerl, Gerti Beracz, Sigi Rössert und Wes




Saragossa Südsee




George Klante, Harry Karrer, Henry O´Whisky, Wes, Angela Watkins, Andy Bielan, Tahitian girls with Evert van der Wal



Warlock Cover



Donna Summer Cover



Udo Lindenberg Cover



Wes mit Andy Linse



1980 Fraktion 1 gründete die Band Tax. Und ich wurde zum ersten Mal Vater. Mein erster Sohn Marco war nun mit on tour... und ich lernte den Gitarrenbauer Thomas Keller in München kennen der mir bis heute meine Instrumente baut und repariert. Nicht zu vergessen, als ich nach einem von mir gewonnenen Rechtsstreit mit einer hier ungenannten Plattenfirma total abgebrannt war, hat mir Thomas mal so nebenbei 10.000 D-Mark geliehen obwohl er dafür einen Kredit aufnehmen musste und mein Leben ging weiter... Wir sind immer noch Freunde, seit 34 Jahren, nicht nur deshalb! Danke Thomas!

1981 Wir bekamen mit Tax nach vier Monaten einen Vertrag mit Weryton/Jupiter (Ralph Siegel) und Teldec – und mit dieser Kombination des Grauens waren wir bereits …

1982 dem Untergang geweiht. Obwohl wir nun schon in ganz Deutschland, vom Münchner Domicile und dem Marienkäfer bis zum Onkel Pö in Hamburg, dem Luxor in Kölle und dem Milljöö in Mannheim vor vollen Häusern spielten – etwa 400 Gigs in zwei Jahren – konnten wir uns dank der „kreativen und mutigen“ Entscheidungen unserer Label-Fritzen eingraben und gingen danach verschiedene Wege. 15.000 verkaufte Alben. Damals ein Flop – heute wär’s 3 Mal Gold, zumindest da, wo ich jetzt wohne.

1982 Nicht zu vergessen: Ich wurde zum zweiten Mal Vater, mein zweiter Sohn Christopher kam dazu und gründete mit seinem 14 Monate älteren Bruder Marco ein Vocalduett à la Child in Time. Die Nächte wurden kürzer. Ich machte danach mit meinen Freunden Christian Schneiderbauer, Jan Zelinka und Tom Krüger einen kleinen Ausflug in die Neue Deutsche Welle, obwohl unsere Musik eher rockig und solide daherkam und die Performance nicht nach Klamauk klang. Wir bekamen zwar einen Vertrag mit Teldec und tolle Medienkritiken, schafften es aber leider nicht auf die Bühne.

Für Nachwuchs ist gesorgt Der Nachwuchs Marco & Christopher 1983 Meine Jungs auf Fehmarn Plassens in Beverly Hills

1983 fand ich mich wieder mit dem Komponisten und Bassisten Sigi Rössert zusammen. Wir gründeten Strinx. Anfangs kam Thomas Simmerl am Schlagzeug dazu. Wir probten wieder mal bis zum Umfallen … Die mit mir „letzte“ Besetzung von Strinx war tatsächlich eine geile deutsche Band mit dem jungen Hannes Weigend am Schlagzeug und dem Sänger und Gitarristen Gerty Beracz, den wir schon früher bei der Schroeder Roadshow bewundern konnten. Nachdem uns auch noch Rich Schwab, Kölner Bass-Ikone und ebenfalls Ex-Schroeder, als Texter unterstützte (Rich ist heute übrigens auch als Schriftsteller tätig und hat drei meiner Lieblingsromane veröffentlicht), entwickelte sich ein ganz eigenständiges Konzept. Auch wir spielten die Szene rauf und runter, aber gegen Grönemeyers Erfolg oder auch Wolf Maahns Band waren wir eben nur kleine Lichter. So mussten wir alle wieder irgendwelche Tourneen spielen, um, was ich persönlich für meinen Weg immer noch wichtig finde, als MUSIKER zu überleben und nicht etwa Taxi zu fahren oder bei Aldi im Lager zu stehen. Ich hatte schon zwei kleine Kinder, meine Frau hatte mit unseren Jungs genug zu tun, und so musste ich nun ganz schnöde und unkünstlerisch Geld verdienen und Jobs spielen, aber immerhin mit der Gitarre und nicht mit dem Lenkrad eines elfenbeinfarbenen 200er Dieselbenz.

1984 Die landschaftlich gesehen schönste Tour meines Lebens: die Südsee-Tournee mit der Saragossa Band (den Job bekam ich nur, weil deren Gitarrist Alfred Rudec sich beim Skifahren den Haxen brach und ich anscheinend der einzige Gitarrist in München war, der einen gültigen Reisepass hatte) – wow!! Tahiti und Neukaledonien: Irgendwie kam ich mir vor wie die Heteroversion von Freddy. Später spielte ich mit den Jungs auch im Studio die eine oder andere Produktion ein. Dann kam im Jahr …

1985 ein Anruf aus Zürich für eine Fernsehsendung namens „Jazz in Concert“. Mitwirkende: Richard Tee (Stuff und Paul Simon etc.) am Piano; Dave Weckl (Chick Corea) Drums; Lenny Picket (Little Feat, David Bowie, Tower Of Power) Sax; Dieter Petereit (Doldinger) Bass und … ICH!! Juhu!!! Bei den anschließenden Interviews war ich noch so nervös, dass ich im TV rüberkam wie ein Schulbub, aber das war definitiv mein Durchbruch als Studiogitarrist: danach stand bis zum heutigen Tag das Telefon nicht mehr still, und ich durfte in ganz Europa und manchmal auch in den USA viele Tracks mit meinen Gitarren zumüllen oder ab und zu auch mal verschönern. Noch dazu kam, dass Ende

1985 die Band Warlock die Gitarren nicht passend hinkriegten, so zumindest sah das die Plattenfirma, und mich darauf Warlock´s Producer Henry Staroste engagierte. Die Band hatte eines der damals besten und teuersten Studios in Deutschland gebucht und war bereits seit sechs Wochen mit Gitarren- und Vocal-Overdubs beschäftigt. Für mich war gerade mal zwei (!) Tage Zeit, all diese ausgefuchsten Riffs einzuspielen, die ich mir selbst vor Ort runterhören musste. Heute würde ich mir das nicht mehr zutrauen, aber im jugendlichen Wahn geht auch das. Um das Bandgeheimnis zu bewahren, bekam ich keinen Credit auf dem Album, aber in der Branche wusste man, dass ich das eingespielt hatte – und von nun an war ich die Rock-Schlampe Wes … Und bekam ab da Studiojobs, für die ich vorher wirklich ALLES getan hätte, um dabei zu sein. Für Henry Staroste spielte ich praktisch exklusiv alle kommenden Produktionen als Gitarrist ein, zu diesem Zeitpunkt kam auch Harold Faltermeyer aus den USA zurück, und uns verbindet eine bis heute währende Zusammenarbeit für viele amerikanische Top-Artists und Filme, deren Namen und Titel sich auf meiner Discografie als äußerst fancy erweisen, z.B. Donna Summer, Isaac Hayes, Patti Labelle

1986 trat Udo Lindenberg in mein künstlerisches Leben; ich durfte auf zwei Alben panisch rocken und auch mal ’ne Nummer schreiben … Wieder ging ein Traum in Erfüllung, und das Ganze bei mir in München um die Ecke, im Downtown Studio von Jochen Scheffter, Artur Silber und Uli Ullmann

1987 erster Kontakt zur Firma Sonoton / Intersound, für die ich bis heute etwa 150 CDs produziert, komponiert und eingespielt habe, ein Wink des Schicksals. Wenn man das ernsthaft betreibt und geile Musik abliefert, kann man sogar davon leben und es macht auch noch Spaß …

1988 Studiojobs ohne Ende und Gründung eines eigenen Arbeitsplatzes mit Andy Linse und Armin Pertl, mit denen wir gemeinsam mit Harold Faltermeyer sogar einen deutschen Top 20 Hit hatten. Das Projekt hieß Bayernpower, und der Hit war „Funky Cold Medina“.

1989 Begegnung mit Pur und Pe Werner und Dieter Falk, darauf eine wunderbar befruchtende Zusammenarbeit für mehrere Jahre mit Dieter, Pe und Pur bis 1994, danach nochmals zur totalen Sonnenfinsternis im August 1999 mit Pur auf der CD „Mittendrin“. Stille …ein Zeichen des Universums...

1990er

Gold und Platin


Lustfinger


Lustfinger´s feuchtfröhlicher Produktionsschluss


Wolfgang Hart beim errichten des No A Studios in Wien


Das erste No A Studio von Wes und Hannes in Wien


Beute einpacken L.A. 1992


Frumpy mit neuem Rechtsaußen Wes mit der surfgrünen Telecaster





1990 Pur und Pe erreichten mehrfach Gold und Platinstatus, ja sogar Triple-Platin folgte, für 1.5 Mio. verkaufte „Seiltänzertraum“-CDs: PROST!!! Mein erstes Soloalbum „I’ll Be There“ bei Intersound folgte und läuft nach so vielen Jahren heute noch ab und zu im Radio. Außerdem begannen immer mehr Künstler oder Plattenfirmen, mir Produktionen anzuvertrauen. So startete die offizielle Produzentenlaufbahn mit den Bands Lustfinger (Funpunk) und Boys Voice (Metal – der eine oder andere Fernseher im Hilton flog schon mal aus dem Fenster …) und eben der immer wieder laufenden Library-Produktionen für Herrn Narholz und Sonoton.

1991 Trennung beruflich und privat … Umzug von München nach Wien … Reduzieren der Studiojobs. Da die Techno- und HipHop-Zeit begann, wäre das Reduzieren wahrscheinlich von selbst gegangen … Mehr Songs schreiben … und produzieren … und arrangieren … Ich gründete ein Studio mit meinem nunmehr seit 29 Jahren grossen Freund, dem österreichischen Keyboarder, Produzenten und Komponisten Hannes Treiber, (guckst du unter www.noastudio.at), mit dem ich seit 1991 fast alle Songs gemeinsam schreibe, arrangiere und produziere. Dann folgten in diesem Jahr noch ein Album und eine Tour mit Frumpy, einer handverlesenen Band mit Carsten Bohn, Jean Jaques Kravetz, Nippy Noya, Bobby Stern, Ken Taylor und natürlich Inga Rumpf, meiner deutschen Lieblings-R&B-Sängerin.

1992 ROBOTI, ROBOTI – siehe Discografie.

1993 Begegnung mit Peter Fischer (siehe Discografie). Resultat nach einjähriger Zusammenarbeit: eine sehr schöne deutschsprachige Pop-Produktion und eine echte Freundschaft aller Beteiligten.

1994 Die vorläufig letzte gemeinsame Produktion mit Pe Werner (übrigens singt darauf Peter Fischer den Chor zum Song „Tabu“); danach folgt noch mein zweites Soloalbum „Blow The Blues Away“, das wieder bei Intersound erscheint.

1995 Begegnung mit Erich Virch, mit dem uns auch bis heute eine große Freundschaft verbindet. Gemeinsame Produktion „Wechlin“ für die Intercord, mit einigen Weltstars aus der US-Studioszene, wie Willy Weeks, Paul Leim, David Hungate, Dann Huff usw. Engineering mit Ronald Prent. Mix im Wisseloord-Studio. Gegen deren Referenzen klingen meine nach Kindergeburtstag – aber so ist das, wenn man sich für seine Familie entscheidet und nicht beim ersten Angebot in die USA geht. Das zweite kam erst 2009, aber die leidige  Altersversorgung in den USA … zu spät für mich. Googelt doch mal die Namen...

Toby Seay, David Hungate (Toto Bassist), Willy Weeks (Heute Eric Clapton Bassist), Paul Leim, Wes (Chef), Terry Christian (Tontechniker) Wes und Terry David und Willy Willy Paul

1996 bis 1998 Überarbeitung des Gesamtmaterials von Peter Fischer für eine Neuveröffentlichung und wieder viele Sonoton- und Eigenproduktionen.

1998 Umzug und Neubau unseres Studios, wir verlassen Wien und ziehen nach Niederösterreich ins Kamptal nach Langenlois zum leckeren Wein und zur etwas höheren Lebensqualität, siehe www.noastudio.at

2000er

Toni Fritsch Footballstar, George Foreman Box-Champion, Hannes Treiber, George Foreman I (Sohn), Roland Baumgartner (Produzent), Wes


Weindegustation bei der Kamptal Wine Trophy 2005 mit Andy Linse, Johnny Logan, Wes und der Veranstalter und Wirt Stefan Horky


Johnny Logan, Wes und Bettina Maglock als Ehrengäste bei der Kamptal Winetrophy 2005


Harold Faltermeyer und Wes als Ehrengäste bei der Kamptal Winetrophy 2007


Wes und Ed Tötzl (Produzent Ambros Reloaded)


Abhängen nach dem Mix der Ambros Reloaded


Solo


Selfie mit Johnny Logan vor der Statue von Phil Lynott, Dublin


Jerry Scheff und Elvis

1999 bis 2005 folgten wieder einige heftige Arbeitsjahre: vier Monumental-Produktionen mit einer Dauer von drei bis sechs Monaten, darunter das Musical „Sisi“, eine christliche Klassik-Crossover-Produktion für den Ex Boxweltmeister George Foreman, mit Jose Carreras, Ramon Vargas und – und zuletzt einige neue Titel mit Johnny Logan.

Auch unser eigenes Bandprojekt wird gerade fertig: Zenit – „I0 IT – The Sound Of Now“ und ein Tax-Live-Album, „The Official Tax Bootleg“, das wir aus alten Mitschnitten zusammenstellen und ursprünglich im Eigenvertrieb zum 25-jährigen Jubiläum veröffentlichen wollten, aber da klappte es nicht so, wie wir es wollten – nun warten wir auf das 50jährige Feierjahr …

 

2006 kam für mich mit der „Ambros Reloaded“ CD-Produktion von Ed Tötzl das absolute österreichische Highlight dazu. Eigentlich war ich nur als Gitarrist für zwei Titel gebucht, aber es wurden eben einige mehr, und in Folge waren Hannes und ich auch noch die Soundengineers für dieses Album, auf dem unter anderem Legenden wie Georg Danzer, Hansi Lang, Wilfried, Joesi Prokopetz und Konstantin Wecker zu hören sind.

Danke noch an den Bassweltmeister Willi Langer für die Vermittlung an Herrn Tötzl, dem Producer, Koch und Veltliner-Connaisseur, es ist mein absolutes Lieblingsalbum, an dem ich in Österreich mitarbeiten durfte, nicht zuletzt wegen der Melancholie und der Morbidität, die sich nun auch wieder mal in mein Leben schleicht … Nicht zuletzt durch die kriselnde Musikindustrie und die langweiligen Karaoke-Sänger/innen, die in den bekloppten Castingshows auftreten und selten etwas anders können als die älteren Songs, die Whitney, Mariah & Co. vor vielen Jahren schon mal exakt vorgesungen haben. Das ist zwar schon was – aber eben leider nicht wirklich kreativ!

2007 wiederum war ein Library-Jahr und auch das Jahr mit einem Wiener Duett namens Solo, das mit engagierter Musik und intelligenten deutschen Texten auf der CD „Es ist Zeit“ zu Werke geht.

Auch in diesem Jahr lernten wir wieder neue Freunde und gute Musiker kennen; unter anderem Erich und Susanne Gosch und Krzystof Dobrek und viele andere mehr … Es gibt sie noch, die guten Dinge …

2008 und 2009 machen wir fast ausschliesslich Sonoton-Library, Nicht zu vergessen auch eine „Demo“-Session für Johnny Logan. Die könnte man so, wie sie ist, veröffentlichen, will aber keine Sau … Producer Andy Linse, Gitarren von mir … Falls ich das Okay der Komponisten erhalte, stelle ich „Don´t say it´s over“ zum Anhören auf die Website. Und die Musik wird weltweit immer schneller und in schlechterer Qualität (MP3) konsumiert …

 

 

2009 kommt eines der Highlights schlechthin: Ich durfte Dennis Jale mit der TCB Band produzieren. Das war die Begleitgruppe von Elvis Presley mit den Superlegenden James Burton, Jerry Scheff, Ronnie Tutt, Glenn D. Hardin, Jason Scheff, Paul Leim und den österreichischen Musikern Goran Mikulec, Martin Payr, Willi Langer – und The Sweet Inspirations mit Myrna & Estelle Brown, Portia Griffin … Und heute mal nicht zu vergessen ist der geniale Wiener Bluesharpspieler Christian Sandera, der leider nicht auf den CD-Credits erscheint, man sehe unter www.dennisjale.com nach.

Einige der neuen Titel entstanden in Wien. An meinem Geburtstag am 14.8.2009 flogen wir nach Nashville und nahmen dort in den Ocean Way Studios in einigen Tagen das Album auf. Danach arbeiteten Hannes und ich noch ca. 2 Monate an den Leadvocals, Chören und Gitarren und mischten anschließend das Album fertig.

2010er

Ramersdorfer Spezln Wes, Kurt und Djago nach der Trauerfeier für einen Freund


Hannes und Wes, 2009


und einst im Mai


20102013 stehen wieder im Zeichen der Sonoton-Library. Ende 2013 übergab ich meinen Anteil am Noastudio an meinen langjährigen Partner und Freund Hannes Treiber, der nun erst einmal alleine weiterschreibt und -produziert. Danach änderte ich meine Rufnummern und Mailadressen …



Das neue No A Studio


Somit bin ich seit

2014 vorübergehend nicht mehr erreichbar … Nach 43 Jahren im Musikbusiness muss ich jetzt erst einmal ein bischen Urlaub machen und gesund werden … Servus!

offeneworte

Aahhh – noch was …

2014 Nachtrag zur „Entwicklung“ (?) in unserer Welt der Musik:

Fakt ist – zumindest für mich –, dass es heutzutage so viele begabte und auch virtuose, ja perfekte Musiker, Sänger und Produzenten gibt, weiblich wie männlich, und natürlich dazu noch die viel besseren technischen Möglichkeiten in den Studios und in der Hardware- und Softwareentwicklung, wie niemals vorher auf diesem Planeten, außer natürlich der guten alten Studer A80-Bandmaschine und den Neve Konsolen.

Aaaaber … wo sind die Persönlichkeiten, die verrückten Urgesteine, die neuen Jeff Becks, Jimi Hendrix’ oder Eddie Van Halens, John McLaughlins? Künstler wie Peter Gabriel, David Hasselhoff – oh, Verzeihung, da ist mir wohl ein Fehler unterlaufen …! –  die Liste lässt sich leider nicht endlos fortführen … Wo bleiben denn die Bands, die auch der Laie nach wenigen Takten erkennt, Bands wie Led Zeppelin, Black Sabbath, Deep Purple, The Who, Creedence Clearwater Revival, Earth Wind & Fire (von den Beatles und den Stones wollen wir gar nicht erst sprechen …)? Wo bleiben die Songs, die nicht immer speziell für das Publikum jeder einzelnen Dekade konfektioniert werden und darum eben alle irgendwie gleich oder wie irgendwann schon einmal in früheren Zeiten gehört klingen …?

Klar – es gibt sie. Alles gibt es, nur nicht im Mainstream. Da bevorzugt man seit der für manuelle Musiker unglücklichen Techno- und Extasy-Ära eben Schubladen, Klischees – Rap, R&B, Country, Metal etc. Wie gesagt, Schubladen gab es ja schon immer, aber kleinere, und die Unterschiede waren in den Interpretationen der Musiksparten riesig. Hört Euch doch heute Beyoncé an und vergleicht es mit Faith Hill. Das eine ist R&B, das andere Country, quasi eigentlich musikalisch, geschmacklich und musikhistorisch gesehen, auch politisch doch wirklich ein absoluter Gegensatz. Nein, heute geht das Hand in Hand. Die Phrasierungen der Vocals sind sich doch wirklich alle sehr ähnlich geworden, und auch zu Countrymusic kann man „offen“ tanzen, ohne den guten alten Walzer zu können, und selbst der Schlager hat einen seichten Hip Hop-Beat oder einen 4 on the Floor … Jede noch so anders geartete Sparte hat den gleichen Beat. Ausnahmen bestätigen auch hier nur die Regel.

Der größte Teil der Musik, welcher sich gegenwärtig in den Charts befindet, ist „Audiojunkfood“, da hat die Plattenfirma oder der geldgeile Komponist oder Künstler schnell auf den „Markt“ reagiert, hat’s aufgenommen, das Publikum hat es gefressen und halbverdaut wieder ausgespuckt – und danach auch schnell wieder vergessen. In den Oldie-Radios hört man noch heute CCR, Hermans Hermits, Moody Blues oder auch Boney M.  Nicht dass Ihr glaubt, mir würde das alles gefallen, so ist das nicht gemeint. Nur so viel: Es ist zu bezweifeln, dass der geneigte Leser meiner biografischen Ergüsse in 20 Jahren noch Katy Perry, Justin Timberlake oder Lady Gaga hören wird. Weil nämlich der Kult um diese Stars eben zu schnell stirbt. Manchesmal gibt es auch nur wenig Material von ihnen, wie z.B. von Amy Winehouse. Das fanden alle ganz neu, weil sie noch nie was von Nina Simone, den Supremes oder Diana Ross gehört haben, geschweige denn von Dinah Washington oder Sarah Vaughan … Alle hier genannten Künstler sind oder waren grossartig in ihrer Zeit – aber so viele „One Hit Wonders“, wie es seit etwa 20 Jahren gibt, waren noch nie da. Ich gestehe, mein Anteil als Musiker an solchen Produktionen ist auch vorhanden, aber wenn sich die Szene innerhalb einer Karriere so verändert, müssen eben auch solche Jobs gespielt werden, um die Familie zu ernähren. Oder man scheißt drauf und fährt Taxi. Das ist aber auch nicht besser, weil dann im Radio trotzdem die Songs gespielt werden, auf denen man selbst dann eben nicht gespielt hat … Auch blöd, oder …?

Jedenfalls wurde es für mich zunehmend komisch, aus einer dreitägigen Rocksession herauszukommen und danach die Hausfrauenklampfe beim Naabtal-Duo zu spielen, welche die angesprochenen Damen beim Bügeln nicht sonderlich aufregen soll. Ich erinnere an die Zeiten, wo man in den Radiosendern (die 3er Autofahrersender wie BR3 etc.) bei Rocktiteln die Gitarrensoli herausgeschnitten hat, um agressive Autofahrer zu besänftigen!!! Kein Scherz, mit einem der grössten Verfechter hatte ich mal das zweifelhafte Vergnügen, sehr kurz zu diskutieren. Ich dachte immer, wenn man den Radiosender bei 200km/h auf der Autobahn nachjustiert, wäre das gefährlicher als mein Gitarrensolo auf einem Jennifer Rush-Song. Aber nein, der Arsch war wie meine Volksschullehrer und hatte nicht die Fähigkeit zum verbalen Austausch, sondern monologisierte vor sich hin. Ich ging während einer seiner kurzen Atempausen mal einen trinken und etwas später nach Hause. Er monologisiert wahrscheinlich heute noch, aber bereits im Geriatriezentrum, da fällt es dem Publikum nicht sonderlich auf und es beeinflusst auch nicht Millionen von Radiohörern, da die meisten gesprochenen Worte gleich wieder vergessen werden … Demenz muss ja nicht immer ein Nachteil sein.

Als Trotzreaktion auf diese Entwicklung habe ich nicht aufgehört zu arbeiten, sondern nur viel mehr eigene Songs geschrieben, arrangiert und produziert und auf mein eigenes Zeug und das gut befreundeter Produzenten wie Harold Faltermeyer, Dieter Falk, Henry Staroste usw. weiterhin Gitarre gespielt, anstatt für fremde Leute zu arbeiten, die sich am Ende nur um ihren Kontostand, oder, noch schlimmer, nur um ihr Ego kümmerten. Ich wollte eben nicht nur noch den dankbaren Dienstleister abgeben und viermal in der Woche im Flugzeug sitzen, während mein Roadie durch halb Europa flitzt. Das hat mir bei den Neidern, die jeder hat, der etwas auf sich hält, den Ruf als „Schwieriger Typ“ eingebracht – und das war echt nicht immer schön. Aber zumindest rückblickend war es für mich die bessere Entscheidung, für die Firmen von Herrn Narholz, Sonoton und Intersound künstlerisch und kreativ völlig unbeinflusst arbeiten zu können, anstatt ein unterfordeter Gitarrist auf unzähligen volksdümmlichen und sonstigen läppischen Schlagerproduktionen zu sein. Lieber wollte ich mit der Musik, hinter der ich wirklich stehen kann, weitermachen und habe damit etwas (oder genauer gesagt, viel weniger) Geld verdient, aber besser geschlafen. Aber das soll kein Maßstab für andere Musiker sein. Jeder muss das mit seinem Gewissen selbst ausmachen, denn auch die Zeiten sind ganz anders und den Job als professionellen Studiomusiker gibt es heute in Europa kaum noch, weil allgemein keine guten Budgets für CD Produktionen da sind und es auch keine funktionierende Musikergewerkschaft wie in den USA gibt. Ich hatte noch das Glück, etwas aus den guten 60er und 70er Jahren mitzunehmen und trauere der großen Kohle und der angebotenen Mitgliedschaft bei Pur, Peter Maffay oder Pe Werner nicht (mehr) nach.

Da ich nicht nur musikalisch polygam veranlagt bin, hätte ich das sowieso niemals durchziehen können – früher oder später wäre ich wohl, um einiges an €uronen reicher, stockbesoffen auf meiner mallorcinischen Finca in meinem 1,40 Meter tiefen Swimmingpool ertrunken oder, für mich als Nichtschwimmer das wesentlich bessere Bild, auf dem Weg zur nächsten Flasche Rotwein auf der Kellertreppe ausgerutscht … Wo soll ich denn jetzt noch Urlaub machen? Oder...mit anderen Pensionisten im Wartezimmer von irgendwelchen Doktoren vor mich hingrübeln...

We will see …